Die Bestie Mensch

Die Natur ist grausam und die Tiere somit auch. Ist das der Unterschied, der tiefe Graben zwischen dem primitiven Tier und dem zivilisierten Menschen?

Ist wirklich das Tier eine „wilde Bestie“, primitiv, brutal, blutrünstig und um sein eigenes Wohl bedacht?

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Der Mensch sperrt Tiere in Massentierhaltungen/Intensivhaltungen ein. Als Produktionsmittel, Ware und billige Arbeitskraft nimmt der Mensch ihnen so gut wie alle Freiheiten. Nur frei von Verletzung, Schmerzen, Angst und Stress sind sie nicht.Er sperrt sie ein und raubt ihnen teilweise noch das Tageslicht. Er besamt die weiblichen Tiere künstlich, um ihnen dann ihre Jungtiere wenige Stunden nach der Geburt von ihnen wegzunehmnen. Die Jungtiere ernährt er dann durch Maschinen. Er beeinträchtigt allen Tieren in seiner Gefangenschaft ganz bewusst in der Ausübung ihrer natürlichen Verhaltensweisen und hindert sie daran soziale Kontakte zu knüpfen. Dies führt zu Aggressionen unter den Tieren. Um diese Verhaltensstörungen zu bekämpfen, kupiert der Mensch den Tieren Schwänze, Zähne und Hörner, gerne ohne Betäubung. Hühnern in der Intensivhaltung kürzt er ohne Betäubung die Schnäbel, um Kannibalismus und Federpicken vorzubeugen. Männliche Küken sind für die Eierindustrie wertlos, weil sie keine Eier legen. Diese vergast oder schreddert der Mensch in den Brütereien. Bis zu 50 Millionen sogenannte Eintagsküken jedes Jahr! Der Mensch kastriert Ferkel in der Schweineproduktion ohne Betäubung. Kranke oder zu kleine Ferkel in der Intensivhaltung haben keinen „Wert“. So schlägt der Mensch sie routinemäßig auf den Boden, bis sie tot sind.

Für die Produktion von Stopfleber stoßen Menschen Gänsen mehrmals täglich ein Metallrohr in den Hals und pumpen den Tieren große Mengen an Futterbrei in den Magen. Diese Tortur dauert bis zu 21 Tage, während ihre Leber auf das Sechs- bis Zehnfache ihrer normalen Größe anschwillt. Dann töten sie die Gänse.

Um die Tiere unter den schlechten Bedingungen am Leben zu erhalten, bis sie ihr Idealgewicht erreichen, stopft der Mensch sie mit Medikamenten voll.
Einem qualvollen Leben folgt auf einem leidensvollen Transport der Schlachthof. Viele sterben schon auf dem Transport an stressbedingtem Herzversagen. Allein der Geruch von Blut ihrer Artgenossen reicht aus, dass sie Angst verspüren. Aber sie können sich nicht in Worte ausdrücken. Das Einzige, was ihnen bleibt, sind die Angst- und Schmerzensschreie, hören und verstehen tun es nur ihre Leidensgenossen. Und riechen…… das Blut der anderen.

Der Mensch treibt Kühe in der Lederindustrie Hunderte von Kilometern von Indien nach Bangladesch zur Schlachtung. Die tagelangen Transporte finden bei knapp 50 Grad im Schatten statt. Ohne Wasser, Futter und Liegeplatz! Damit diese aus Erschöpfung nicht zusammenbrechen, reibt der Mensch den Kühen roten Chili in Augen und Anus. Nur so laufen sie weiter.
Menschen reißen Angorakaninchen etwa alle drei Monate bei lebendigem Leib das Fell aus der sensiblen Haut, um daraus Angorawolle zu produzieren. Bei Gänsen handeln sie genauso aufgrund ihrer Daunen.
Mehr als zwei Millionen Katzen, Hunderttausende Hunde, Marderhunde sowie andere Tiere töten sie jedes Jahr in China wegen ihres Fells. Viele der Tiere leben noch, während sie gehäutet werden!

Beim jährlichen Robbenmassaker in Kanada schlachten Menschen Zehntausende Robbenbabys im Alter von höchstens drei Lebensmonaten ihres Fells wegen ab. Sie zertrümmern ihnen die Köpfe oder erschießen sie. Überleben sie trotzdem, häuten die Menschen viele von den Babys eben bei Bewusstsein.

Menschliche Experimentatoren treiben in Tierlabore Tiere in den Wahnsinn. Das Stöhnen, Wimmern und Schreien von Hunden, Affen, Katzen, Mäusen, Ratten und vielen anderen mehr, hören andere Menschen nicht. Hier ist der Zutritt für alle anderen Menschen verboten! Nur für Tiere! Der Mensch missbraucht sie. Die Tiere leiden unter unvorstellbaren Bedingungen, nicht nur während der Experimente. Tag und Nacht haben sie Angst und Schmerzen! Entfliehen können sie nicht. Sie leben in einem Albtraum. Die Erlösung finden sie meist durch ihre Tötung.

Der Mensch hält Lebewesen in Gefangenschaft, in Zirkussen, Zoos und Delfinarien. Obwohl sie keine Verbrechen begangen haben (außer vielleicht auf einem falschen Kontinent, zu einer falschen Zeit geboren worden zu sein), landen sie im Gefängnis. Lebenslänglich hinter Gitter! In Delfinarien und  Zirkussen macht der Mensch diese Geschöpfe zu Sklaven, er misshandelt und erniedrigt sie – um andere Menschen zu amüsieren.

Der Mensch wildert und jagt.
Die menschliche Bevölkerung wächst und wächst. Folglich breiten sie sich in unberührte Gebiete aus. Der Mensch braucht mehr Platz, auch für seine Nahrung! Viele Tiere verlieren dadurch ihren Lebensraum. Manche können nicht mit dem Ackerbau koexistieren, manchen ist es nicht erlaubt. Tun sie das Unerlaubte, tritt die Jagd in Kraft.
Raubtiere sind die Ersten, die der Mensch vorsätzlich ausrottet. Sie stellen Nahrungskonkurrenten dar, die die „Nutztiere“ der Menschen töten. Da der Mensch diese Tiere selber schlachtet und isst, tötet er die Nahrungskonkurrenten. Er nennt sie Räuber! Er geht auf die Jagd nach Pflanzenfressern, die seinen ökologischen Lebensraum ins Ungleichgewicht bringen. Er nennt sie Schädlinge!
Der Mensch wildert aufgrund von Elfenbein und Fell. Manchmal auch, weil er eine Trophäe benötigt. Der Mensch schießt Lebewesen auch zu ihrem eigenen Besten ab…….nur er weiß, was ihnen gut tut! Dabei zerstört er ganze soziale Gefüge und reißt Familienverbände auseinander. Aber einige Jungtiere verschont er. Diese verkauft der Mensch an Zoos oder Wildgehege, damit andere Menschen diese Tiere noch sehen können. Sie stehen nämlich kurz vor der Ausrottung! (2)

Und Menschen nutzen Tiere in einigen Ländern für ihren Krieg(3). Sie missbrauchen und töten sie zu sogenannten „militärischen Trainingszwecken“. Sie schneiden lebende Tiere in Stücke, schlitzen ihre Bäuche auf und nennen diese Trauma-Trainings. Trainings, bei denen menschliche Krieger, Soldaten genannt, die Versorgung von Kriegsverletzungen an lebenden Tieren üben. Es gibt Videos in denen zu sehen ist, wie der Mensch lebenden Ziegen mit Heckenscheren die Beine abtrennt, lebendige Schweine anschießt oder Explosionen aussetzt. Damit fügt er den Tieren traumatische Wunden zu, als Teil eines chirurgischen Ausbildungskurses.

Kein Tier, außer der Mensch fügt all derartiges Leid anderen Lebewesen zu.

Wer ist die Bestie?

 

 

 

 

 

Quellen:

(1) Hilal Sezgin, Artgerecht ist nur die Freiheit. Eine Ethik für Tiere oder Warum wir umdenken müssen.Verlag C.H.Beck oHG, München 2014

(2) Cynthia Moss, Die Elefanten vom Kilimandscharo. 13 Jahre im Leben einer Elefantenfamilie. Rasch und Röhring, Hamburg 1990

(3) Johnson, William, Zauber der Manege?: der grausame Alltag der Tiere in Zirkus, Tierschau und Delfinarium. Rasch und Röhring Verlag, Hamburg 1992

(4) Jeffrey Masson, Susan McCarthy, Wenn Tiere weinen, Rowohlt Verlag GmbH, Reinbek 1996.

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